Pfingstjugendlager 1973

(Eberhard Krauter)

ZELTLAGER DER STUTTGARTER BALLONERJUGEND

Seit der letzten Hauptversammlung besitzt die Ballonsportgruppe Stuttgart nun endlich auch eine Jugendgruppe. Das ist zwar nichts Besonderes, weil auch andere Vereine mindestens einen Jugendleiter haben. Ob diese Vereine auch tatsächlich eine Jugendgruppe haben und wie diese in der Praxis funktionieren, kann aus Unwissenheit nicht gesagt werden.
Vielleicht sind es nur finanzielle Hoffnungen die zu den Jugendgruppen Gründungen geführt haben. Solche Überlegungen waren am Neckarstrand nur von untergeordneter Bedeutung. Ja, im Grunde genommen sah man im Schwabenland den Sinn einer Jugendgruppe nur ungern ein, weil eine Notwendigkeit für ein solches Unterfangen, in einem Verein wo die Jugend schon immer beinahe die größte Rolle gespielt hat, überhaupt nicht bestand. War es doch schon so, dass jeder Jugendliche der sich für die Gasblasen interessierte entschieden gefördert wurde und seine Stimme nicht weniger wert war als die eines altgedienten und ergrauten Ballonfahrers. Man wollte deshalb nicht eine Klasse von zweitrangigen Mitgliedern schaffen, die nur ihrer Jugend wegen nicht vollwertig sein sollten. Dazu war überhaupt kein Anlass, besonders weil diese Jugendlichen einen ganz erheblichen Beitrag zur erfolgsreichen Aktivität des Vereins beigetragen haben. Aber es waren vor allem die Jugendlichen selbst, die zur Gründung der Jugendgruppe drängten, weil sie in ihr eine Möglichkeit zur größeren Breitenarbeit sahen. Also erfüllte man den Wunsch, eigentlich ohne Überzeugung, dass bei diesem Vorhaben auch etwas Vernünftiges herauskomme. Doch kurz nach der Gründung wurden die jungen Herrschaften recht aktiv. Die erste Aktion war die Durchführung eines Ballonfahrerlagers, nicht unähnlich wie es die Segelflieger seit eh und je auf ihrem Programm haben.
Für dieses Vorhaben boten sich einmal die Pfingstferien an und zum anderen die bereits sprichwörtliche Gastfreundschaft der Kameraden vom Verein Salzach/Inn. Der Verein stellte seinen Ballon D-Graf Zeppelin der Jugendgruppe zur Verfügung. Um Piloten brauchte man sich nicht zu sorgen, denn die Jugendgruppe kann nicht unerfahrene Piloten zu ihren Mitgliedern zählen.

Am Pfingstsamstag so gegen die Mittagszeit waren die 17 Jugendlichen und ihr Chef Walter Schiele, nebst einigen erwachsenen Helfern in Gendorf eingetroffen. Aber dem hoffnungsfrohen Plan schien ein nasser Tod beschieden zu sein, denn es goss in Strömen. Nun plante man Ersatzlösungen um glücklicherweise zur klugen Entscheidung zu gelangen trotz Regen die Zelte aufzuschlagen.
Das erste Lagerfeuer wurde entzündet, Lieder erklangen. Bestimmt ein eindrucksvolles Erlebnis, vor allem für die jüngsten Mitglieder der Jugendgruppe, die gerade das Alter der Schulreife erreicht haben. Aber ein Ballonfahrerlager nur im Stil der Wandervögel war nicht der Sinn der Sache. Im Mittelpunkt standen der Umgang mit dem Freiballon und die Ballonfahrt. Deshalb wurde am Pfingstsonntag von den Jugendlichen ohne Hilfe der Erwachsenen unser Ballon gefüllt. Zeitlich leider etwas zu spät, weil der kleine Propangasbrenner nicht bereit war das Frühstück rechtzeitig fertig werden zu lassen. Aber immerhin zu einer kurzen Fahrt, bevor die Gewitter kamen reichte es noch. Zufrieden kehrte man heim, um dann mit Spiel die Zeit zu vertreiben bis endlich mit List und Tücke das Abendessen fertig war.

Am nächsten Tag lief alles schon viel besser, sodass der zweite Start der Jugendgruppe etwas früher erfolgte. Es wurde eine schöne Ballonreise nach Österreich. Und für diejenigen, denen es nicht vergönnt war im Korb, gewesen zu sein, wurde die Verfolgerei zu einem abenteuerlichen Spaß. Müde und hungrig – aber ohne einen Laut der Klage — kehrte unsere Mannschaft ins Lager zurück. Jetzt brauchte man alle Leute zum Holz sammeln, denn es galt vier Hähnchen am offenen Feuer zu braten.
Bis alle satt waren, alle Tagesereignisse besprochen, die sportlichen Mannschaftswettbewerbe abgeschlossen, war es spät am Abend.

Der dritte Tag war der dringend nötigen Reinigung unserer jungen Leute, dem Essen, der Ruhe und einer spannenden Schnitzeljagd gewidmet.

Und am vierten Tag nahm man sehr schweren Herzens Abschied vom Jugendlager. Keiner war froh, dass das Lagerleben zu Ende war. Aber eine Begeisterung für die Gemeinschaft, Kameradschaft und den Ballonsport war geweckt worden.
Spötter werden nun fragen ob man in Stuttgart den Unterschied zwischen einer Jugendgruppe und einem Kindergarten kenne. Und wenn jetzt auch noch die Struktur der Stuttgarter Jugendgruppe verraten wird, dann ist das Wasser auf die Mühlen derer, die den Ballonsport für das Hobby „gestandener Mannsbilder“ halten. Denn es sind Buben und Mädchen im Alter von 5 bis 24 Jahren aber jedes Mitglied hat schon wenigstens eine Ballonfahrt gemacht. Wer aber glaubt es gehe unseren Jugendlichen allein um den Spaß, täuscht sich. Das beweist die von allen mit Beifall aufgenommene Forderung unserer 14-jährigen Yvonne, die nachdrücklich darauf besteht, dass den Jugendlichen ein umfassender Einblick in die Theorie der Ballonfahrt zu vermitteln sei.

Resümee: Das Allein entscheidende Ergebnis der Freizeit war, dass unsere Jugendlichen – aber auch die als Helfer mitgereisten Erwachsenen – mit beinahe überschäumender Begeisterung aus dem Zeltlager kamen. Für den stillen Beobachter war es die Harmonie, die Kameradschaft und das von allen gezeigte Sozialverhalten, das diese Freizeit auszeichnete. Und für den Verein ist es die beruhigende Gewissheit, eine starke und aktive Jugendgruppe zu haben, die die personelle Zukunft in rosigem Licht erscheinen lässt.
Dank gebührt den Initiatoren der Freizeit und den Gastgebern an der Salzach, ganz besonders Herrn und Frau Baumann und Herrn Breu.
Zu guter Letzt eine Anregung: Die Jugendgruppe Stuttgart wird im kommenden Jahr die Freizeit wiederholen. Vielleicht beteiligen sich daran auch die Jugendgruppen der anderen Vereine.