Der Artikel von Eberhard Krauter wurde der Broschüre 50 Jahre im Ballon entnommen, die zum Jubiläum von der Ballonsportgruppe Stuttgart herausgegeben wurde
Gründerzeit
Die Ballonsportgruppe Stuttgart e.V. wurde am 31. Oktober 1950 gegründet. Das war fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und zwei Jahre nach der Währungsreform. Der Lebensstandard war sehr einfach. Die zerstörten Städte, so auch Stuttgart, standen am Beginn des Wiederaufbaus. Es herrschte Wohnungsnot und ein Auto besaßen nur Ärzte und Geschäftsleute. Dennoch bestand eine beeindruckende Aufbruchstimmung. Es war, als wollten die Menschen in kürzester Zeit alles Verlorene wiedergewinnen. So war es eigentlich nicht verwunderlich, dass sich auch ehemalige Ballonfahrer wieder zusammenfanden. Die Gründerväter Friedrich Becker, Hermann Euting, Bernhard Henke, Willy Heppeler sen., Hans Josenhans, Alfons Jutz, Dr. Walter Locher und Hermann Zandel dachten lange bevor die junge Bundesrepublik die Luftsouveränität erlangte über die Wiederbelebung des Ballonsports in Baden-Württemberg nach. Es mussten neue Strukturen gefunden werden. Erschwerend kam die Abneigung von weiten Kreisen der Bevölkerung gegenüber der Fliegerei hinzu: Luftfahrzeuge brachten während des Krieges Schrecken und Elend, auch der Mißbrauch des Luftsports zur Wehrertüchtigung war noch nicht vergessen. Am 10. September 1950 erlaubten die Alliierten als ersten den Ballonen wieder die Teilnahme am Luftverkehr, während die anderen Luftsportarten erst später zugelassen wurden. Sechs Wochen danach wurde unser Verein unter dem Namen
Freiballonsportgruppe des Württembergisch-Badischen Luftsportverbandes
gegründet, aus dem jedoch bald die Ballonsportgruppe Stuttgart wurde. Erster Vorsitzender war Friedrich Becker. Der als Mensch und Ballonfahrer sehr geschätzte Becker verstarb völlig unerwartet am 7. Januar 1951. Der neue und erste aktiv tätige Vorstand bestand aus dem 1. Vorsitzenden Alfons Jutz, dem 2. Vorsitzenden Dr. Walter Locher und dem Kassenwart Vincenz Schmidt. Der Name des Vereins spiegelte die enge Bindung zum Dachverband wieder, dem heutigen Baden-Württembergischen Luftfahrtverband e.V. (BWLV).
Alleinvertretungsanspruch
Nach den Vorstellungen einiger Gründungsväter sollte die Freiballonsportgruppe nicht eigenständig sondern nur eine Abteilung des BWLV sein und so die einzige Ballonsportgruppe im Ländle bleiben. Daher unterblieb auch die Eintragung ins Vereinsregister die erst 1959 durchgesetzt wurde.
Der erste Start
Der erste Ballonstart nach dem Kriege in Baden-Württemberg war am 1. Mai 1951 in Esslingen-Mettingen. Pilot Eberhardt aus der Schweiz startete mit dem Ballon MUNGG. Für unsere jungen Mitglieder war dies die erste Begegnung mit einem Ballon.
Was ist eine Ballonsportgruppe ohne einen eigenen Ballon? Die Beschaffung des wichtigsten Gerätes war außergewöhnlich schwierig. Denn es kostete stolze 20.000 DM. Das entsprach dem Gegenwert von 5 VW-Käfern. Die Sponsoren aus Vorkriegszeiten wollten oder konnten nicht mehr helfen. Schliesslich gelang es unserem Mitglied Hugo Greiner, einem bekannten Stuttgarter Gastronom, die Schokoladenfabrik Haller in Stuttgart-Obertürkheim zu bewegen, einen Ballon zu stiften. Es war der siebte Ballon, der in der Bundesrepublik zugelassen werden konnte.
Der 17. Mai 1953: Taufe unseres ersten Ballons
Ein bedeutender Tag in der Geschichte der Ballonsportgruppe Stuttgart e.V.: Am 17. Mai 1953 wurde im Hof der Ruine des Stuttgarter Neuen Schlosses unser erster Ballon durch den Ersten Bürgermeister Hirn auf den Namen D-HALLER getauft. Das Füllen war sehr mühselig. Kurz nach Mitternacht wurde die Gaszufuhr (Leuchtgas) geöffnet. Etwa 13 Stunden dauerten die Startvorbereitungen, da im kriegsgeschädigten Leitungsnetz der Druck gering war. Dazu trug auch die sonntägliche Kochlust der Hausfrauen bei. Unter der Führung von Alfons Jutz in der Begleitung von Hugo Greiner, Bürgermeister Hirn und Herrn Haller jun. startete D-HALLER um 13.30 Uhr zu seiner Jungfernfahrt. Um 15.45 Uhr landete er in Murrhardt.
Anfangsschwierigkeiten
Jetzt hatten wir einen Ballon und konnten vom Cannstatter Wasen aus starten. Eine Leuchtgas-Füllstelle war in unmittelbarer Nähe unseres heutigen Startgeländes Sattelplatz. Aber es fehlte die Infrastruktur für den Betrieb eines Ballons. Es gab keinen Raum, in dem Hülle, Netz und Korb getrocknet und gepflegt werden konnten. Die TWS (heute NWS) gewährten zwar Unterschlupf, was aber nicht ausreichend war. So gab es z.B. kein vereinseigenes Fahrzeug. Der Ballon mußte mit dem Roten Radler, einer Art Botentaxi, zum Startplatz transportiert werden. Den Ballastsand lieferte eine Sprunggrube im Gottlieb-Daimler-Stadion.
Rezepte für 50 Jahre Erfolg
Trotz dieser äußeren Umstände kreisten die Gedanken der Grundungsväter nicht nur um Ballon und Sportbetrieb. Es ging vor allem auch um die Struktur des Vereins und den Umgang der Mitglieder untereinander. Seinen Ursprung hatte der Ballonsport in Deutschland im Offizierskorps und in der wohlsituierten Gesellschaft. Der Zugang zu diesem Sport war daher nicht ohne weiteres für alle möglich. Da lag es nahe, bestimmte Arbeiten wie Füllen und Aufrüsten der Ballone bezahlten Helfern zu überlassen. So etwas sollte es in der Ballonsportgruppe Stuttgart jedoch nicht geben. Alle Arbeiten für den Ballonsport und den Verein leisten die Mitglieder seit jeher unentgeltlich. Infolgedessen ist es bei uns niemals möglich gewesen, einen finanziellen Nutzen aus der Ausübung des Ballonsports zu ziehen. Alle Aufgaben werden gemeinsam bewältigt und alle Ziele werden gemeinsam erreicht. Es gibt keine Privilegien. Den Einsatz der Geräte bestimmt der Verein. Die Abrechnung der Entgelte für Ballonfahrten erfolgt ausschließlich über die Vereinskasse. Das gesamte finanzielle und materielle Risiko trägt der Verein. Und das Wichtigste: Die Ballonsportgruppe Stuttgart steht jedem, ohne Unterschied der Herkunft oder des Geldbeutels, offen. Jugendlichen ist der Zugang zu dem nicht ganz billigen Ballonsport zu ermöglichen. Allerdings: Das Klima muss stimmen und der amtierende Vorstand hat die Regeln durchzusetzen.
Von Beginn an: Jugendarbeit
Um junge Menschen zu gewinnen, genügt es nicht, nur die technischen Voraussetzungen zum Ballonfahren zu schaffen. Die Begeisterung muss geweckt werden. Einer, der dies wie kaum ein anderer beherrschte, war Hermann Euting, ein den älteren Stuttgartern wohlbekanntes Original. Euting war Kaufmann, Ingenieur, Erfinder, genialer Bastler, Fotograf, Ballonfahrer. Segelflieger, Motorflieger und Idol unserer Jugend. Er konnte Heranwachsende für den Ballonsport begeistern und sie dem Verein zuführen. Ein anderer, der junge Leute führen und fördern konnte, war Willy Heppeler sen. Ihm verdanken viele, heute nun ältere Mitglieder, dass sie in der Ballonsportgruppe Stuttgart eine Heimat gefunden haben. In anderen Vereinen waren es hauptsächlich die Gutsituierten, die es sich leisten konnten, Ballon zu fahren. In Stuttgart war das Potential die Jugend. Die Ballonsportgruppe Stuttgart e.V war in den vergangenen 50 Jahren in vielen Belangen des Ballonsports Initiator und Motor. Und immer waren unsere Jungen Mitglieder auch eine der treibenden Kräfte.
Die gute alte Zeit
Es fällt heute schwer, sich den Ballonsport der fünfziger Jahre vorzustellen. Es gab nur Gasballone, die mit Leuchtgas (in Augsburg gab es damals für die Ballonfahrer auch Wasserstoffgas) gefüllt: wurden. Fast alle hatten ein Fassungsvermögen von 1680 m³. In Stuttgart wurden die Mitglieder mittels einer Postkarte von einem geplanten Aufstieg, der mit wenigen Ausnahmen immer am Sonntag stattfand, unterrichtet. Der Füllbeginn konnte zeitlich nicht zu früh gelegt werden, da die meisten von uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Cannstatter Wasen gelangen mussten. Nach der Vorstellung des Vereins waren für einen Start zwölf Kameradinnen und Kameraden erforderlich. In der Regel fanden sich jedoch mehr willige Helfer ein, um zwei bis drei Stunden Sandsäcke zu schleppen und andere schwere Arbeit zu verrichten. Lohn der Mühe war, dass drei Kameraden eine Ballonfahrt geniessen konnten, die selten länger als zwei Stunden dauerte. Nach der Landung war der schwere Ballon wieder zu verpacken, was allerdings unter der freudigen Mithilfe der zahlreichen Zuschauer geschah. Mittels Ochsen-, Pferde- oder Traktor-Fuhrwerk haben wir das Gerät dann zur nächsten Bahnstation zum Rücktransport gefahren. Als weiteres kam die Wartung des Gerätes hinzu, die sehr viel aufwendiger war als wir es heute gewöhnt sind. Die Ballonhüllen waren aus - mehr oder weniger gasdichtem - gummierten Baumwollstoff gefertigt. Die Netze wurden aus italienischem Langhanf geknüpft. Die Reissbahnen wurden geklebt; ihre Reinigung konnte in eine stundenlange Arbeit ausarten, wenn wir die Reste des Klebers mühsam abrubbeln mussten. Für uns wurde es viel einfacher und sicherer als zu Beginn der 60er Jahre die geschnürten Reissbahnen aufkamen. Für eine Gasballonfahrt wurde also ein großer Aufwand betrieben, die heute - vom Erlebnis her gesehen - ohne Mühe mit einem Heissluftballon gemacht werden kann. Auch war der Umgang mit der Flugsicherung nicht so einfach. So musste z.B. für jede Fahrt ein Flugplan aufgegeben und geschlossen werden. Alle Freigaben konnten nur telefonisch eingeholt werden. Die Luftraumstruktur - obwohl einfacher gestaltet - bot weniger Möglichkeiten eine Fahrt im kontrollierten Luftraum durchzuführen als heute. Verständlich, denn es gab ja keine Funkgeräte, Transponder, oder sonstige Hilfen mit denen die Fluglotsen einen Ballon hätten führen können. Die sportliche Aktivität war in den ersten Jahren unseres Bestehens im Vergleich zu anderen Vereinen sehr gering. Zwar konnten die Stuttgarter Ballonfahrer bei Wettbewerben ganz oben mitmischen, blieben aber bei der Anzahl der Sportfahrten weit zurück. Ein Blick in die Statistik: 1953 wurden 11 Fahrten durchgeführt, 1954 waren es 5 und 1956 gab es insgesamt nur 7 Starts. In vergleichbaren Vereinen wie Münster, Augsburg oder Köln betrug die jährliche Fahrtenzahl zwischen 20 und 30. Ursache hierfür war die idealistische Einstellung der Vorstände Alfons Jutz und Dr. Walter Locher. Nach ihrer Auffassung hatten alle durch ihren Jahresbeitrag für den Fahrtenbetrieb aufzukommen. Weder Pilot noch Mitglieder entrichteten einen Obolus. Die finanzielle Belastbarkeit der Mitglieder war zu dieser Zeit jedoch nicht sehr groß. Die Folge: der Verein hatte kein Geld.
Ungeachtet aller Schwierigkeiten wurde mit der Heranbildung neuer Ballonführer begonnen. Die Betreuung der Lehrlinge war eine Aufgabe, die von Max Deuschle gerne wahrgenommen wurde. Die praktische Ausbildung lag vornehmlich in den Händen von Alfons Jutz, Dr. Walter Locher und Peter Rauscher. 1958 gab es dann die ersten Nachkriegspiloten.
Beginn einer neuen Ära
Alfons Jutz und Dr. Walter Locher hatten sich in diesen Jahren sehr um die Ballonfahrt in Stuttgart bemüht und unserem Sport viele Steine aus dem Wege geräumt sowie dem Verein zu gutem Ansehen in der Öffentlichkeit verholfen. Trotz seines erfolgreichen Wirkens trat Alfons Jutz 1957 zurück. Er setzte sich aber dennoch bis zu seinem Lebensende weiterhin erfolgreich für die Belange der Ballonsportgruppe Stuttgart und für alle Ballonfahrer in Baden-Württemberg ein. Ein neuer Vorstand musste gewählt werden. Es war für uns ein Glücksfall, daß sich Karlhans Urbahn dafür zur Verfügung stellte. Urbahn, ein Pilot aus Vorkriegsjahren, war als erfolgreicher Manager der Geeignete, um die vielfältigen Probleme des Vereines anzugehen. Er setzte durch, dass Werbetransparente an den Ballonen angebracht wurden. Bei jeder Fahrt waren zahlende Gäste mitzunehmen. Auch mussten Pilot und Mitfahrer jetzt für eine Ballonfahrt einen für damalige Verhältnisse nicht unerheblichen Obolus entrichten. Doch Mitarbeit wurde honoriert. Für Hilfe beim Start bekamen wir einen Punkt und die Beteiligung beim Hallendienst war zwei Punkte wert. Für 100 Punkte gab es eine Freifahrt. Karlhans Urbahn hatte für uns alle immer ein offenes Ohr. Doch zwischen dem 1. Vorsitzenden und den meisten Mitgliedern blieb eine Distanz. Sie zu überbrücken gelang dem als 2. Vorsitzenden fungierenden Willy Heppeler sen. hervorragend. Er und seine Frau Gertraude, die allgegenwärtige Geschäftsführerin, waren für die vereinsinternen Belange zuständig. Und darin waren sie Meister. Neu und ungewöhnlich war, dass ein recht junges Mitglied, Bertold Munz, in den Vorstand gewählt wurde. Eine Zeichen dafür, dass schon damals die Bedeutung der jüngeren Generation für den Verein erkannt wurde.
D-SCHWABEN
Im gleichen Jahr konnte der von Karlhans Urbahn gestiftete Ballon D-SCHWABEN getauft werden. Und noch etwas: Karlhans Urbahn schenkte uns eine Ballonhalle und stellte zeitweise seinen Firmen-LKW zur Verfügung. Diese Großzügigkeit brachte uns wesentliche Erleichterung. Trotzdem waren die wirtschaftlichen Probleme nicht überwunden.
D-HALLER wird D-STUTTGART
1958 mußte der Ballon HALLER einer grundlegenden Reparatur unterzogen werden, die weder der Verein noch der Sponsor bezahlen konnte. Die Stadt Stuttgart sprang ein. In Anerkennung dieser Unterstützung bekam der Ballon im Juli 1958 den Namen D-STUTTGART.
Der Unfall
Einen sehr schweren Schicksalsschlag hatten wir bei der 100. Ballonfahrt nach dem Kriege hinzunehmen. Am 5. April 1959 verunglückten von der dreiköpfigen Besatzung ein Kamerad und ein Gast nach einer harten Landung tödlich. Ein ursächlicher Zusammenhang zum Unfall bestand in der Vorschrift, dass für das Erlangen des Pilotenscheins eine Höhenfahrt auf 3000 m MSL nachzuweisen war. Eine Bedingung die mit Leuchtgas eigentlich nicht erreicht werden konnte. Nach dem Vorfall wurde auf diese Voraussetzung verzichtet.
Erste Nationale Wettfahrt
Vom Deutschen Freiballonsportverband bekamen wir den Auftrag im Jahre 1961 die jährliche Nationale Wettfahrt um den Wanderpreis des Deutschen Freiballonsportverbandes e.V. auszutragen. Eine große Aufgabe die dem Verein bei Ballonfahrern und Bevölkerung grosses Ansehen und Anerkennung einbrachte. Bei dieser Wettfahrt stimmte alles: Die Organisation, das Wetter, der sportliche Erfolg und die Anzahl der 10 - 15.000 Zuschauer. 17 Ballone waren am Start. Das war damals nahezu die gesamte deutsche Ballonflotte. Auch die in den Jahren 1962 und 1964 durchgeführten Deutschen Freiballonführer-Tage brachten der Ballonsportgruppe Stuttgart e.V. ein hervorragendes Renommee ein, welches auch in der Wahl von Dr. Walter Locher zum Präsidenten des Deutschen Freiballon-Sport-Verbandes e.V. zum Ausdruck kam. Und: 15 Jahre lang wurde die Verbandszeitschrift in Stuttgart unter der Federführung von Eberhard Krauter herausgegeben.
Ein erfolgreicher Verein
Die Jahre bis 1967 waren für uns sehr erfolgreich. Viele sportliche Erfolge auf nationaler als auch internationaler Ebene konnten erzielt werden. Die Stuttgarter Ballonfahrer waren überall als Sportler und Kameraden geachtet. Besonderes Ansehen gewannen wir bei den anderen Vereinen, da wir meistens in grösseren Gruppen mit vielen jugendlichen Mitgliedern zu den Veranstaltungen anreisten. Wettfahrten waren freundschaftliche Treffen der Ballonfahrer. Mit 25 bis 40 Fahrten Im Jahr erreichten wir inzwischen eine gute sportliche Aktivität. Das Vereinsleben blühte. Daran hatte die Aktivität und die Initiative von Gertraude Heppeler einen großen Anteil. Gründe für Feste gab es viele: Fasching, Ausflüge, Hallenfeste, Weihnachten oder Geburtstage. Und wir, die damals jungen Mitglieder, führten - trotz Einwänden und Kritik - den wöchentlichen Stammtisch ein, zu dem sich heute noch 30 bis 40 Mitglieder treffen und der einer der Dreh- und Angelpunkte des Vereinslebens darstellt.
Gasprobleme
Das Problem mit der Leuchtgasversorgung kam nicht von heute auf morgen. Die TWS hatte uns Jahre zuvor darauf hingewiesen, dass die Gasversorgung der Stadt Stutttgart vom ballontauglichen Leuchtgas auf das wesentlich schwerere Erdgas umgestellt werden müsse. Das endgültige Aus kam 1963. Auf der Suche nach besserem, sprich tragfähigerem Gas, haben wir bei den damals noch existierenden kleineren Gaswerken Probestarts durchgeführt, die aber nicht sehr erfolgreich verliefen. Bei der Suche nach geeigneten Startplätzen hat sich ganz besonders Bertold Munz verdient gemacht. Schließlich konnten wir in Eggenstein bei Karlsruhe einen Startplatz ausfindig machen, von dem aus wir immerhin bis zum Jahre 1969 mit Raffineriegas Ballon fahren konnten. Dann aber wurde dort das Raffeneriegas dem Erdgas angeglichen, dessen Tragkraft wie bereits in Stuttgart zu gering war. Wir fanden kameradschaftliche Aufnahme bei unseren Ballonfreunden in Augsburg. Mehr als 25 Jahre waren wir auf dem dortigen Startplatz, der Via Claudia Gäste. Von don aus haben wir in den besseren Zeiten jährlich bis zu 60 Fahnen gemacht.
1967: Ein ereignisreiches Jahr
1967 war ein sehr ereignisreiches und bedeutendes Jahr für die Ballonsportgruppe Stuttgart. Am 7. März wurde unser Ballon GRAF ZEPPELIN getauft. Somit zählte der Verein drei eigene Ballone. Annedore und Wolfgang von Zeppelin hatten in einer sehr mühsamen Aktion Geld für einen neuen Ballon gesammelt. Verwandte und Bekannte, Firmen die mit dem Zeppelinbau verbunden waren, der Briefmarkenhändler Sieger in Lorch und die Städte Friedrichshafen und Stuttgart hatten geholfen. Die Konstruktion und Technik des Baiions war so ausgelegt, dass er sowohl mit Raffineriegas als auch mit Wasserstoffgas gefahren werden konnte.
Erste Nachtfahrt
Eine Pioniertat im deutschen Ballonsport war die erste Nachtfahrt nach dem Kriege, die am 29./30. Juli 1967 von Eggenstein aus gestartet wurde. Viele Auflagen der Flugsicherung mussten erfüllt werden. Pilot des D-STUTTGART war Alfons Jutz
D-SCHWABEN verbrennt
Die Freude über unsere drei Vereinsballone währte leider nicht lange: Am 30. Juli 1967 verbrannte D-SCHWABEN nach Berührung einer Hochspannungsleitung. Für uns war dieser Verlust eine Art Schlüsselerlebnis. Nicht nur, dass wir nur noch zwei Ballone hatten - es konnte nicht übersehen werden, D-STUTTGART war altersschwach und kein Ersatz in Aussicht. Spontan fassten wir den Beschluß, Aktivitäten zu entwickeln, die dem Verein Geld bringen sollten, um aus der Misere herauszukommen. D-GRAF ZEPPELIN wurde jetzt mit komprimiertem Gas bei jeglichen Gelegenheiten wie Flugtagen und Stadtfesten eingesetzt. Das war immer eine besondere Attraktion, die auch gut bezahlt wurde. Aber wir waren durch diese Veranstaltungseinsätze auch sehr stark gefordert
Aufstiege im Ausland
In 1967 und den darauffolgenden Jahren wurden mit unserem D-GRAF ZEPPELIN zahlreiche Fahrten im Ausland durchgeführt, so z.B. in Tschechien (Prag und Tabor), Gabun, Niederlande (Arnheim, Den Haag, Hengelo), Schweiz und in den USA, wo er im berühmten Lakehurst startete.
Der erste moderne Heissluftballon
Im September 1967 hatte die Ballonsportgruppe Stuttgart in Karlsruhe zum zweiten Mal die Nationale Wettfahrt um den Wanderpreis ausgerichtet. Das schlechte Wetter liess für die 27 Ballone nur eine kurze Fahrt zu. Der Tag war jedoch in anderer Hinsicht ein Meilenstein des deutschen Ballonsports: Don Piccard, ein Neffe von Auguste Piccard, demonstrierte zum erstenmal in Deutschland einen Heissluftballon moderner Bauart. Trotz aller Skepsis bei vielen Ballonfreunden: Ein völlig neues Zeitalter der Ballonfahrt war angebrochen! Wir begannen, uns gedanklich mit dem Heissluftballon zu beschäftigen. Wir durften und wollten uns dieser Entwicklung nicht verschliessen, da die Versorgung mit "Gas leichter als Luft" zunehmend schwieriger werden würde und somit der Fortbestand des Gasballonsports und des Vereins mittelfristig ohne eine Alternative in Frage zu stehen drohte. Der spätere l. Vorsitzende Wolfgang von Zeppelin erkannte als einer der ersten diese grosse Chance der neuen Technik für die Vereine und begann mit der konsequenten Umsetzung.
Die BSG baut den ersten Heissluftballon in Deutschland
Die Heissluftballone, die aus den USA und England angeboten wurden, entsprachen jedoch nicht unseren Vorstellungen. Da lag es nahe, dass unsere umtriebigen Mitglieder daran gingen, selber einen Heissluftballon zu konzipieren und zu bauen. Eine gewaltige Aufgabe, die viel Kreativität, Energie, Einsatzbereitschaft, Mut und Entschlossenheit erforderte! Großzügige finanzielle Hilfe bekamen wir von Friedhelm Vogt und dem Sportamt der Stadt Stuttgart. Der von uns entwickelte Ballon wurde nach etlichen Rückschlägen und Veränderungen zu einem Sportgerät, das gegenüber den ersten Generationen kommerziell gefertigter Fabrikate viele Vorteile hatte.
Der Umgang mit Heissluftballonen war eine neue Erfahrung. Die ersten ihrer Art waren recht einfach konsrruiert und harten viele Mängel. Die damals gebräuchlichen Ballongrößen waren viel zu klein, die ihnen zugemutete Last war viel zu hoch, die Brenner waren zu laut und zu schwach, die Innentemperaruranzeigcn funktionierten nicht und ein vernünftiges Parachute-Ventil war noch lange nicht erfunden. Es brauchte eine geraume Zeit bis der heutige Standard erreicht wurde. Aber es gab nicht nur Probleme technischer Art. Die Gaspiloten glaubten, die Handhabung des Gasballons auf den Heissluftballon übertragen zu können. Die Sensibilität der Montgolfieren eröffnete viele Möglichkeiten, die wir aber erst selbst nach und nach kennenlernen mussten. So kam es: Die Gasballonfahrer haben von ihren heißen Kollegen noch dazugelernt.
Anfänglich setzten sich die Heissluftballone nur zögernd durch. Von den im Jahre 1983 in Baden-Württemberg lizensierten 67 Ballonführern gab es weniger als ein Dutzend mit ausschliesslicher Berechtigung für Heißluftballone. Trotzdem gab es für uns schon damals keine Zweifel: Die Zukunft gehört den heißen Ofen. Problemloses Aufrüsten auf jeder grünen Wiese, geringer Zeitaufwand bei den Vorbereitungen und rasches Verpacken waren unübersehbare Vorteile. Um unsere Gasballone am Leben halten zu können, die uns zwischenzeitlich viel Geld kosteten, wollten und mussten wir den Heissluftballon fördern, um einen finanziellen Ausgleich sicherzustellen. Dies gilt bis zum heutigen Tag.
Zäsur
Eine wesentliche Zäsur gab es in der Ballonsportgruppe Stuttgart e.V. im Jahre 1969. Ein neuer, junger, dynamischer und vor allem innovativer Vorstand (Wolfgang v. Zeppelin, Benold Munz, Dieter Laquai und Paul Wider) übernahm die Verantwortung für den Verein, Schatzmeister Paul Wider führte eine erfolgreiche betriebswirtschaftlich orientierte Finanzwirtschaft ein.
D-STUTTGART ausgemustert
Der Ballon D-STUTTGART mußte 1969 altershalber ausgemustert werden. Womit wir jedoch nicht gerechnet hatten: das Kinderdorf Wahlwies stellte uns den Ballon D-Bernina II zur Verfügung, worüber wir sehr froh waren.
Die erste Jugendgruppe
Eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft war 1973 die Gründung unserer Jugendgruppe. Junge Menschen wurden durch den Verein stets gefördert aber jetzt gab es hierfür eine eigene Organisation. Erster Jugendleiter würde Walter Schiele, der für uns auch in vieler anderer Hinsicht von großer Bedeutung war. Aufgabe unserer Jugendgruppe war und ist es, junge Menschen nicht nur für den Ballonsport zu begeistern sondern auch in unsere Vereinsgemeinschaft einzubinden. Der Gründung war ein großer Erfolg beschieden. Wir haben keine Nachwuchsprobleme und viele ehemalige Mitglieder der Jugendgruppe, sind - wenn nicht aktive Mitglieder - so doch ein wesentlicher Bestandteil des Freundeskreises, der unsere Ziele und Aufgaben verstanden hat und unterstützt. So sind denn auch von den heute amtierenden sechs Vorstandsmitgliedern immerhin vier durch die Schule unserer Jugendgruppe gegangen. Im deutschen Ballonsport werden wir um unsere Jugendarbeit beneidet, mit uns befreundete Vereine und die Dachverbände haben diese Aktivitäten immer unterstützt. Trotzdem hat es etwa zwanzig Jahre gedauert, bis andere Institutionen die Jugendarbeit ebenfalls entdeckt haben.
Ein neuer Vorstand
1974 gab es wieder eine Veränderung im Vorstand. Peter Heinze wurde erster Vorsitzender. Mit ihm kam eine weitere Periode der erfolgreichen Entwicklung. Gleichzeitig begann auch die große Zeit des 2. Vorsitzenden Dieter Laquai. Zweiundzwanzig lange Jahre war er als Fahrtenwart tätig. Darüberhinaus trieb er umsichtig und umtriebig zahlreiche Projekte voran, von denen der Neubau unserer Ballonhalle das sichtbarste aber lange nicht das einzigste ist.
Ein neuer Gasballon
Ab der Mitte der 70er Jahre war eine wesentliche Wandlung im Ballonsport nicht mehr zu übersehen: Die bunten Heissluftballone waren bei Veranstaltungen eine größere Attraktion als die Gasballone. Es gab daher weniger Aufträge für Gasballonaufstiege und es wurde schwieriger - fast unmöglich - Sponsoren zu finden. Da war es ein sehr glücklicher Umstand, dass wir den damaligen Verkehrsdirektor der Stadt Stuttgart, Peer-Uli Faerber, für den Gasballon begeistern konnten. Wir bekamen einen Vertrag, um einen neuen Gasballon D-STUTTGART beschaffen zu können. Er wurde 1976 bei einem sehr schönen Fest am Eckensee getauft.
Neue Heissluftballone
Waren wir jetzt mit zwei Gasballonen in Stuttgart gut versorgt, so war doch klar, dass wir mit zwei Heissluftballonen den Sportbetrieb nicht bewältigen konnten. In der Landesgirokasse - heute Landesbank Baden-Württemberg - fanden wir unseren Hauptsponsor nachdem es uns gelungen war, den Vorstand von der Seriosität der Heissluftballone zu überzeugen. Dieses Bankinstitut hat nicht nur uns Luftfahrzeuge gestiftet, sondern auch den gesamten Ballonsport in Baden-Württemberg gefördert. Dank der Unterstützung konnten wir viele Veranstaltungen mit Kameraden anderer Vereine sowie sieben Baden-Württembergische Landesmeisterschaften für Heißluftballone durchführen. Kurze Zeit später fanden wir in der Firma Breuninger einen weiteren wichtigen Sponsor. Aus eigenen Mitteln finanzierten wir noch den D-STUTTGART, der einer von insgesamt 7 Ballonen mit diesem Namen war.
Ballonsport ist nicht nur Ballonfahren
Ballone sind nicht pflegeleicht. Sie benötigen sehr viel Aufmerksamkeit, um ein sicheres Luftsportgerät darzustellen. Gute und zuverlässige Techniker unter den Kameraden sind gefragt. Welcher Pilot hat nicht schon einmal ein Loch in die Hülle gebrannt oder ist mit Rissen nach Hause gekommen? Hier bewährte sich immer die sprichwörtliche kameradschaftliche Hilfe. Vor allem unser hoch geschätzter Oberballonmeister Ernst Wieland hat viele Wunden an den Ballonen geheilt und für eine einwandfreie Funktion der Geräte gesorgt. Mit seinen heute 87 Jahren zählt unser Ernst nach wie vor zu einem unserer aktivsten Mitglieder. Bis in die Mitte der 80er Jahre lag der Ballonsport fast ausschliesslich in den Händen der Vereine, die ihn als Mannschaftssport betrieben. Die Heissluftballone brauchen aber nicht viele Helfer und auch nicht zwingend die Infrastruktur eines Vereines. So gibt es Ballonführer, die sich ein Luftfahrzeug beschaffen und dieses vielfach nur mit einer weiteren Person als Helfer betreiben. Teilweise mit dem Gedanken, dass man mit Heissluftballonen durch die Mitnahme gut zahlender Gäste Geld verdienen kann. Damit begann die Ballonfahrerfamilie zum Teil zu zerfallen.
Stuttgarter Modell
Viele Vereine entwickelten sich in dieser Zeit zu Haltergemeinschaften bei denen der Vereinssinn dem wirtschaftlichen Interesse einzelner Balloneigentümer deutlich untergeordnet wurde. Die neuen Freiheiten, nämlich nicht auf die Mithilfe der Kameraden und Kameradinnen angewiesen zu sein und andererseits mögliche finanzielle Vorteile für den einzelnen aus unserem Sport zu ziehen, schien auf den ersten Blick für manchen bestechend. Auch bei uns begannen in dieser Zeit Diskussionen über eine Änderung der Struktur. Doch letztlich hat sich das über viele Jahre erfolgreiche Vereinsmodeil - dass jeder in der Ballonsportgruppe unabhängig von seinen finanziellen Möglichkeiten aktiv Ballonfahren kann und keine wirtschaftlichen Interessen für den einzelnen zugelassen werden - durchgesetzt. Die Infrastruktur der Ballonsportgruppe Stuttgart mit ihren Ballonen, Fahrzeugen, Instrumenten und ihrem Know-how kann nur von Personen genutzt werden, die darauf verzichten, zusätzlich einen eigenen Ballon zu unterhalten. Es fiel uns manchmal schwer, diese Regel durchzusetzen. Aber rückblickend hai es sich gelohnt: wir sind keine Zweckgemeinschaft geworden, sondern wir blieben eine Gemeinschaft begeisterter Ballonfahrer und Ballonfahrerinnen.
Ein neuer Vorstand
1989 wurde Eberhard Krauter zum l. Vorsitzenden berufen. Es war eine schwierige Zeit. Zwar gab es bei den Heissluftballonen keine Probleme, denn Dank unserer Sponsoren waren wir damit gut versorgt. Für unsere Jugendarbeit bekamen wir vom Deutschen Freiballon-Sport-Verband e.V. den Ballon D-EMDEN zur Verfügung gestellt. Dagegen gab es erhebliche Probleme auf dem Sektor der Gasballone: Unsere beiden Ballone mussten kurz hintereinander unerwartet aus Altersgründen ausgemustert werden. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, in dem die Zukunft dieser Ballonart sehr ungewiss war. Das galt ganz besonders für die Ballonsportgruppe Stuttgart, denn die Wasserstoffgasversorgung in Augsburg wurde zunehmend schwieriger. Andere Gasstartplätze waren zu weit entfernt, um für einen ständigen Sportbetrieb sinnvoll von uns genutzt werden zu können.
Mit Gas und Heissluft gemeinsam in die Zukunft
Auch innerhalb des Vereines wurde diskutiert, ob wir uns unter diesen Umständen den Gasballonsport noch leisten können, denn er verschlang nicht unerhebliche Mittel. Einige Mitglieder schlugen vor, die Sektoren Gasballon und Heißluftballon organisatorisch und finanziell zu trennen. Nach einhelliger Meinung der Vorstandsmitglieder durfte dies auf keinen Fall geschehen: Die Ballonsportgruppe Stuttgart sollte das Dach für beide Ballonarten bleiben, selbst wenn eine Sparte eine wirtschaftliche Belastung für das Gesamte darstellte! Zur Umsetzung dieses Standpunktes durfte es jedoch möglichst keine lange Vakanz beim Gasballon geben, Vom Essener Verein konnten wir 1990 dankenswerterweise den gebrauchten Ballon D-RUHRGAS günstig kaufen. (Später konnten wir die Hülle unseren Freunden in Bitterfeld zur Verfügung stellen.) Eine gute Übergangslösung bis wir das Geld für einen neuen Ballon beisammen hatten. Keine leichte Aufgabe für den Vorstand, da die allgemeine wirtschaftliche Lage zu dieser Zeit schwierig war. Getauft wurde unser neues Flaggschiff im März 1992 in Friedrichshafen wieder auf den Namen "GRAF ZEPPELIN".
Gordon-Bennett-Rennen 1992
Das größte sportliche Ereignis während dieser Zeit und für den Verein insgesamt war die Ausrichtung des Gordon-Bennett-Rennens 1992. Es war das dritte je von deutschem Boden gestartete GB-Rennen, nachdem das zweite 80 Jahre zuvor ebenfalls von Stuttgart seinen Ausgang genommen hatte. Die Ausrichtung des wohl wichtigsten Gasballonrennens der Welt war eine grosse Herausforderung für uns. Am 22. September starteten dann 14 Wettbewerbsballone aus Deutschland, Österreich, USA, American Virgin Islands, Frankreich, Schweiz, England und Polen vom Cannstatter Wasen aus in einen aussergewöhnlich stimmungsvollen Abendhimmel hinein. Die Fahrten gingen bis weit nach Polen; Sieger wurden die Amerikaner David N. Levin und James R. Herschend.
Ungeachtet dessen verstärkten sich die Schwierigkeiten um den Gasballon: In Augsburg gab es immer wieder Zeiten, in denen kein oder nur geringe Mengen Wassersioffgas zur Verfügung stand und unsere Augsburger Freunde versicherten uns, dass die Gaserzeugung in Bälde ganz eingestellt würde. Die Anzahl der Gasfahrten verringerte sich auf weniger als 10 Fahrten pro Jahr. Der finanzielle Aufwand erreichte die Schmerzgrenze.
Ein Traum erfüllt sich: Ein eigener Gasstartplatz in Stuttgart Nach vielen Bemühungen um Lösungen fanden wir zwei kooperative und hilfsbereite Partner, die uns die Erfüllung unseres Traumes ermöglichten: Einen eigenen Gasballonsrartplatz in Stuttgart! Die Linde AG stellte uns einen stationären Druckbehälter für ca. 3000 m³ Wasserstoffgas zur Verfügung und das Sportamt der Stadt Stuttgart half, einen Startplatz zu finden, auf dem auch die Aufstellung des 30 Tonnen schweren Tanks möglich war. Zu unserer Freude liegt dieser Startplatz Sattelplatz auf dem Cannstatter Wasen, nur etwa zwei Kilometer Luftlinie vom Zentrum Stuttgarts und nur einen Steinwurf von unserem ehemaligen Gasballonstartplatz an dem alles anfing, entfernt. Die Einrichtung dieses Startplatzes mit Stationärem Gastank war die erste dieser Art in Deutschland und daher für den Erhalt des Gasballonsportes in Deutschland mit richtungsweisend. Seit 1996 starten wir mit dem Linde-Wasen-Cup von unserem neuen Platz jährlich eine Gasballonwettfahrt; auch mehrere Leistungsfahrten nahmen hier ihren Ausgang, die "GRAF ZEPPELIN" unter anderem bis nach Antwerpen, Budapest und auf die Insel Usedom führren. Als Heissluftstartplatz ist er ebenfalls bei unseren Pilotinnen und Piloten auf Grund der Nähe zur Ballonhalle sehr beliebt. Die ballönerfreundliche Haltung der Flugsicherung des Stuttgarter Flughafens tut ihr übriges, um uns viele schöne Fahrten mitten aus der Grosstadt heraus zu ermöglichen.
50 Jahre im Ballon und für den Ballonsport Die Ballonsportgruppe Stuttgart verstand sich immer als Bindeglied zu anderen Gruppen und der Öffentlichkeit. Wir haben, viele Veranstaltungen durchgeführt, um die Bindung der Ballonfahrer untereinander zu fördern. Darüherhinaus betreiben wir für den Ballonsport Öffentlichkeitsarbeit in größerem Umfang. Die Ausbildung von neuen Pilotinnen und Piloten erfolgte nicht nur für Mitglieder unseres Vereins, sondern auch für befreundete Vereine. Wir konnten einen Beitrag beim Aufbau des Ballonsports in den neuen Bundesländern leisten. Vornehmlich bei der Ausbildung von Piloten für den Bitterfelder Verein für Luftfahrt e.V. Es freut uns, dadurch in Bitterfeld, der Stadt mit der grossen Ballonfahrer Tradition neue gute Freunde gefunden zu haben.
Blick nach vorn 1997 gab es eine wesentliche Veränderung in der Vereinsführung. Der 1. und 2. Vorsitzende beschlossen, nicht mehr zu kandidieren, um den Weg frei zu machen für einen jungen, zukunftsorientierten Vorstand. Sie übergaben einen wohlbestellten Verein. Es wurden Albrecht Munz als l. und Michael Wider als 2. Vorsitzender gewählt. Die neue Vereinsführung hat - neben dem durch den amtierenden Kassierer Werner Kern bereits aufgebauten modernem Finanzmanagment - eine neue Organisation und Vcreinsverwaltung eingeführt. Dabei bestimmt die Beibehaltung und Untermauerung der bewahrten Vereinsziele weiterhin massgeblich unser Vorgehen.