In 37 Stunden von Stuttgart nach Chambley

Ballonfahren kann süchtig machen. So süchtig, dass man am liebsten gar nicht mehr auf die Erde zurück will. Unsere beiden Piloten Benedict und Matthias haben nun ausprobiert, wie sich das anfühlt – wie lange würden sie mit unserem Gasballon „Stuttgarter Hofbräu“ in der Luft bleiben können?

Die Vorbereitungen für eine solche Fahrt sind natürlich um Einiges aufwändiger als für eine „normale“ Heißluftballonfahrt – bis zu zwei Tagen könnten die Piloten in dem kleinen Weidenkorb verbringen müssen. Wie sagte doch ein befreundeter spanischer Gasballonpilot einmal: „The amount of shit you carry with this is amazing.“ Wie recht er hat.

So begannen die beiden im April 2017, die Wetterbedingungen auf einen geeigneten Zeitraum hin zu beobachten – was manchmal auch ganz schön frustrierend sein kann. Ihre geplante Fahrt nach Südrumänien am Osterwochenende mussten die beiden buchstäblich in der letzten Minute absagen. Sie hätten nur noch den Ballon füllen und starten müssen… aber das Wetter über den Alpen war nicht sicher genug.

Am Wochenende des 20. Mai sah es besser aus. Ein stabiles Hochdruckgebiet lag über Süddeutschland – was mehr könnte man sich wünschen? Für die Fahrtstrategie bedeutete das, im Uhrzeigersinn um das Zentrum des Hochs herumzufahren, mit allen Vorteilen, die eine Fahrt über deutschem Gebiet mit sich bringt: Bekanntes Gebiet, bekannte Lufträume, Flugfunk auf deutsch und eine kurze Heimfahrt. Zumindest war das der Plan! 😉

Tatsächlich erwiesen sich die von meteoblue berechneten Trajektorien als recht genau. Gestartet wurde am Samstag Abend, halb sieben; die Fahrt ging in westlicher Richtung in den Abend. Die erste Hälfte wurde wirklich zu einer „Tour de Ländle“ und führte die beiden Piloten über viele Orte, wo sie schon mit dem Heißluftballon unterwegs gewesen waren – Heidenheim, Lützelburg, Augsburg, Königsbrunn, das Allgäu, Eglofs… am Sonntag mittag erreichte der Ballon den Bodensee und fuhr weiter in Richtung südlicher Schwarzwald. Die Thermik dort kostete einiges an Ballast, weil der Ballon immer wieder über Wolken gesteuert werden musste – mit Spannung erwarteten die Piloten den Abend, wenn die Abkühlung des Ballons das Opfern weiterer Sandsäcke nötig machen würde.


Nach einem herrlichen Sonnenuntergang über den Südvogesen wurde gegen Mitternacht allmählich Gewissheit, was sich am Abend schon abgezeichnet hatte: Der verbliebene Ballast würde eine Fahrt über den nächsten Tag zu riskant machen. Da auch die Windrichtung, in der sich der Ballon zunächst bewegt hatte, plötzlich verschwunden war, beschlossen die Piloten, in niedrigerer Höhe weiter nach Frankreich hinein zu fahren: Die Winde dort würden sie nach Chambley führen, wo alle zwei Jahre das größte Ballon-Event Europas stattfindet – eine weitere wohlbekannte Gegend!
Nach 37 Stunden und 13 Minuten landeten Benedict und Matthias mit dem letzten Wasserballast und den letzten Sandsäcken, hochzufrieden mit ihrer ersten langen Gasballonfahrt – die Freude steht ihnen in’s Gesicht geschrieben, aber auch die Müdigkeit lässt sich nicht ganz verstecken! 😉

Eine Ballonfahrt dieses Kalibers ist natürlich niemals allein eine Leistung der Piloten – und so steht an dieser Stelle der herzlichste Dank an die gesamte Ballonsportgruppe Stuttgart, nicht nur an Coach, Ballonmeister und Verfolger, sondern auch an die vielen fleißigen Hände, die Ballone, Startplatz und Verfolgerfahrzeuge in Schuss halten, sich im Hintergrund um die administrativen Arbeiten im Verein kümmern oder bei einer so außergewöhnlichen Fahrt einfach mitfiebern und in Gedanken dabei sind. Es macht riesigen Spaß, mit euch allen Ballon zu fahren! 🙂